Ernährungshof THF

Wir wollen, dass im Tempelhofer Flughafen ein Ernährungscampus entsteht – ein Ort, an dem Praxis, Forschung und Bildung gemeinsam und in enger Verzahnung stattfinden.

Der Ernährungscampus ist zum einen ein LebensMittelPunkt – ein Ort, an dem Lebensmittel gehandelt, gelagert, verarbeitet und gegessen werden, wo Kinder kochen lernen und rausfinden, wie Tomaten und Kohlköpfe wachsen. Hier sollen Kleingärtner ihren Saft pressen und Foodsaver einen Fairteiler aufstellen können, Nachbarn zusammen backen, kochen und feiern, Profis und Laien aufeinandertreffen und alle zusammen lustvoll an der Ernährungswende mitwirken. Und zum wird im Ernährungscampus auch an den theoretischen Grundlagen gearbeitet und geforscht: wie kann eine zukunftsfähige Ernährung in Berlin und Brandenburg aussehen? Deshalb wollen wir hier ebenfalls forschende Organisationen ansiedeln, die sich genau mit diesen Fragen beschäftigen.

Im Tempelhofer Flughafen gibt es fünf Küchen und daneben Kantinenräume. Daran schließen sich ein Saal und eine große Kapelle an. Insgesamt ist die Etage im Bauteil K2 etwa 1000 Quadratmeter groß und hat Zugang zu einem grünen Innenhof. Die großen Säle sind außerdem ideal für Kongresse und Ausstellungen. Uns erschien der Standort auch ideal für das vom Senat geplante „House of Food“ (HoF) nach Kopenhagener Vorbild, das einen Platzbedarf von etwa 250 Quadratmetern hat und das Ziel verfolgt, die Kantinen in Berlin weitgehend auf bio-regionale Lebensmittel umzustellen.

Wir arbeiten eng mit dem Berliner Ernährungsrat zusammen, der ein Grundsatzpapier zur Ernährungswende erarbeitet hat. Der Ernährungsrat hatte dafür plädiert, das HoF gemeinwirtschaftlich zu organisieren und in Tempelhof anzusiedeln – doch daraus wurde nichts: Der Senat hat sich entschieden, das Projekt privat- und nicht gemeinwirtschaftlich anzugehen.

Die Zivilgesellschaft sitzt in den Startlöchern

Am 17. Dezember 2018 hatten wir etwa 25 Expert*innen zur Entwicklung des Ernährungscampus eingeladen. Das Spektrum der Teilnehmenden reichte von Catering-Unternehmer*innen, Architekt*innen und Aktivist*innen bis hin zu Wissenschaftler*innen, Köch*innen und einer Fachfrau aus der Senatsverwaltung. In dem ganztägigen Workshop wurde ein Grobkonzept erarbeitet, wie die Räume zu nutzen und möglichst viele Menschen zu beteiligen sind. Hier könnt Ihr die Workshopergebnisse nachlesen. Wir haben eine Broschüre erstellt, die unsere Idee möglichst vielen schmackhaft machen soll. Darauf aufbauend fand im August 2019 ein offener Workshop mit 45 Interessierten statt, die an der Umsetzung mitwirken möchten.

Was fehlt: politischer Rückenwind

Doch nachdem die Tempelhof Projekt GmbH im Herbst 2018 Rückenwind signalisiert hatte, ruderte sie immer weiter zurück. Im März 2019 war von 2,5 bis 3 Jahren Sanierungszeit die Rede – vorausgesetzt, die Politik stimme einem Ernährungscampus zu und stelle das Geld für die Sanierung bereit. Aufgrund des jetzt festgestellten schlechten Zustands des Gebäudes will die Tempelhof Projekt GmbH nun erst einmal 5 bis 15 Jahre lang alleine sanieren – Vorrang sollen die bereits vermieten Flächen insbesondere die Büros der Polizei haben. Experimentelle Nutzung sei gar nicht mehr möglich, heißt es. Einzige Ausnahme ist das Citylab in H2rund – betrieben von der Technologiestiftung, hinter der Großkonzerne wie Siemens, Bayer, Deutsche Bank und PricewaterhouseCoopers stehen. Zwar hat die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung inzwischen den Bedarf für einen Ernährungscampus offiziell angemeldet. Doch das reicht an politischem Rückenwind leider nicht aus.
Aber: Wir geben nicht auf

Im Moment sieht es nicht danach aus, dass der Ernährungscampus rasch im Flughafengebäude entstehen kann. Doch die Zeit drängt – wir können nicht warten. Die gegenwärtig dominante Art der Ernährung verursacht mindestens 15 bis 21 Prozent der klimaschädlichen Gase – die Ernährungswende in Berlin muss rasch vorangetrieben werden. Deshalb planen wir jetzt den Ernährungscampus „im Exil“ an verschiedenen Orten in der Stadt, um ihn später dann in Tempelhof anzusiedeln.

 

Vor acht Jahren war hier noch Kantinenbetrieb –
seither stehen die Räume leer. Aber die Uhr geht noch richtig!

Der Grünbereich ist ebenerdig von den Essräumen, dem Saal und der Kapelle aus zu betreten.

Anders als wir bisher dachten gibt es einen Zugang von außen in den grünen Innenhof. Ein Workshopteilnehmender bestätigte, dass der mit etwas Aufwand barrierefrei gestaltet werden kann.

Im oberen Stockwerk von K2 gibt es etwa 300 Quadratmeter Küchenräume

Annette Jensen

Annette.Jensen@thf.vision